Gedanken zum November 2026
„Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Jes 2,4 (E)
von Dekan Christian Link, Evangelischer Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt

Schwerter verschwinden nicht einfach. Sie werden umgeschmiedet. Aus Waffen werden Werkzeuge. Aus dem, womit man verletzt, wird etwas, das Leben ermöglicht.
Wir wünschen uns Frieden. Wir wünschen uns, dass Kriege aufhören, dass Wut und Gewalt verschwinden. Wir wollen das alles nicht mehr. Und doch merken wir immer wieder: Es kehrt zurück. In uns selbst, auf den Straßen Europas, an viel zu vielen Orten dieser Welt.
Wie gerne würden wir Krieg, Gewalt und Wut einfach wegnehmen. Ein Zauberspruch wäre schön: Discede bellum, discede violentia – Krieg und Gewalt, verschwinde! Doch Menschen ändern sich selten dadurch, dass etwas bloß verschwindet. Veränderung geschieht, wenn etwas Neues entsteht. Wenn das, was da ist, verwandelt wird. Dann können sich auch die Ursachen verändern und Neues wachsen.
Jesaja fordert nicht, die Schwerter wegzuwerfen. Sie werden umgeschmiedet. Das Metall bleibt. Die Kraft bleibt. Die Energie bleibt. Aber ihr Ziel verändert sich. Was vorher zerstörte, dient nun dem Leben.
Gottes Weg ist oft der Weg der Verwandlung. Er lädt ein zu Bewegung und Veränderung. Nicht alles wird einfach gelöscht oder ungeschehen gemacht. Aber es kann anders werden. Heilsamer. Hoffnungsvoller. Gut für die Seele.
Und noch etwas fällt mir auf: Pflugscharen und Winzermesser sind keine Ausstellungsstücke. Sie landen nicht im Museum. Sie werden gebraucht. Sie pflügen harte Böden. Sie schneiden Reben zurück, damit Neues wachsen kann. Frieden ist bei Jesaja keine romantische Idee. Frieden ist Arbeit. Säen. Pflegen. Hoffen. Geduldig darauf vertrauen, dass Frucht entsteht.
Jesajas Vision lädt deshalb dazu ein, anders auf die Welt zu schauen. Nicht zu fragen, wer stärker ist. Sondern was wachsen könnte. Nicht zu überlegen, wer gewinnt. Sondern was dem Leben dient. Nicht auf das zu sehen, was zerstört. Sondern auf das, was Gott neu werden lässt.
